Hochzeitsnacht

Sonntag, den 5. Oktober 2008

Also so hatte ich mir meine Hochzeitsnacht wirklich nicht vorgestellt. Kein Sex – also auch kein Sexunfall. Nichts als für mich eine schlaflose Nacht, begleitet von männlichem Schnarchen.

Wobei in meinen Augen der Sexunfall genau darin lag, dass es eben keinen Sex gab. Die ganze Nacht nicht.

Ich gebe zu, es ist ganz schön altmodisch, sich als junge Frau von heute sozusagen “aufsparen” zu wollen, und es machen inzwischen ja wohl auch die wenigsten Girls. Aber ich bin nun mal eben altmodisch, und ich bin, wie ich mir das vorgenommen hatte, als Jungfrau in die Ehe gegangen.

Es war nicht immer ganz einfach, diesen Entschluss durchzuhalten; es gab da schon diverse Versuchungen.

Spätestens als ich 18 geworden bin habe ich selbst auch ab und zu daran zu zweifeln begonnen, ob es denn wirklich sein muss, dass ich erst in meiner Hochzeitsnacht das erste Mal Sex habe.

Meine Freundinnen verloren ringsherum ihre Jungfräulichkeit; die meisten sogar schon lange bevor sie 18 waren.

Nur ich blieb unberührt; eine eiserne Jungfrau sozusagen. Womit mich meine Freundinnen auch oft aufgezogen haben.

Wenn ein Junge zudringlich wurde und mehr wollte als ein bisschen küssen und ein bisschen fummeln habe ich mich immer gleich wieder von ihm getrennt, denn ich wollte mit niemandem zusammen sein, der meinen Entschluss nicht akzeptierte, bis zur Heirat Jungfrau zu bleiben.

Wobei ich von diesen Fummlern, die sich nicht mit ein bisschen Necking oder Petting nach dem Kino oder der Pizza zufrieden gaben, wie man das früher nannte (das hat meine Mutter mir erzählt, die ebenfalls noch Jungfrau war, als sie geheiratet hat) ohnehin niemanden hätte heiraten wollen, von daher war das schon in Ordnung. Die nahmen mich ja ohnehin nicht ernst.

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Auf dem falschen Fuß (auf-)gestanden …

Mittwoch, den 3. Oktober 2007

Was man so alles an Peinlichkeiten erleben kann …

Das, was mir passiert ist, würde ich allerdings eher einen Flirtunfall statt einen Sexunfall nennen. Obwohl zumindest ich und einer der beiden beteiligten Herren Sex bei diesem Flirt sehr wohl auch im Hinterkopf hatten, so dass der Begriff Sexunfall so falsch nun auch wiederum nicht ist.

Das war alles auf einer Feier. Einer Feier, die alles andere als feierlich war. So etwas langweiliges habe ich schon lange nicht mehr erlebt, und ich habe schon viele steife Feiern gesehen.

Es war die Hochzeit meiner Freundin Angela.

Angela hat eine riesengroße Familie, bestehend aus ihren Eltern, ihren zwei Brüdern, der eine davon mit Frau und zwei Kindern, der andere mit Freundin, und ihren drei sämtlich verheirateten Schwestern, die zusammen sieben Kinder auf die Waage bringen. Soweit die Kernfamilie.

Dazu kommen aber noch jede Menge Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, Nichten, Neffen, Großtanten, Großonkel, Großcousins und Großcousinen und drei Großeltern, und die meisten davon eben auch nicht allein, sondern ihrerseits wieder mit einer Familie, also direktem Anhang und Kindern.

Zu allem Unglück ist die Familie ihres Bräutigams aber auch nicht gerade klein. Auch wenn sie nicht einmal halb so groß ist wie Angelas Familie, ist sie für eine normale Familie noch immer riesig.

Die Tischordnung bei dieser gigantischen Hochzeitsfeier zu machen, muss der wahre Horror gewesen sein.

In einem riesigen Saal standen recht schmale Tische in Form eines großen und reichlich überdimensionierten “E”; mit dem Tisch des Brautpaars inklusive der engsten Verwandten, also Braut, Bräutigam und jeweils deren Eltern und Geschwister am Kopfende, also praktisch als der Grundstrich vom “E”, und dann drei endlos langen Reihen, jede davon auf beiden Seiten besetzt, als Querstriche des “E”, die in den Saal hineinragten – und kaum alle Platz darin fanden.

Ihren Freundeskreis hatte Angela eigentlich ganz in ihrer Nähe an den Anfang eines Querstriches setzen wollen, aber ihre Mutter, die als Mutter der Braut, wie sich das gehörte, die ganze Hochzeitsfeier organisierte, ist sehr konservativ und legt großen Wert auf Konventionen.

Konvention ist es bei einer Hochzeitsfeier aber nun einmal, dass die Familie der Brautleute im Mittelpunkt steht, und ihr Freundeskreis etwas abseits bleiben muss; beinahe an den Katzentisch verbannt wie die Kinder.

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