Hochzeitsnacht
Also so hatte ich mir meine Hochzeitsnacht wirklich nicht vorgestellt. Kein Sex – also auch kein Sexunfall. Nichts als für mich eine schlaflose Nacht, begleitet von männlichem Schnarchen.
Wobei in meinen Augen der Sexunfall genau darin lag, dass es eben keinen Sex gab. Die ganze Nacht nicht.
Ich gebe zu, es ist ganz schön altmodisch, sich als junge Frau von heute sozusagen “aufsparen” zu wollen, und es machen inzwischen ja wohl auch die wenigsten Girls. Aber ich bin nun mal eben altmodisch, und ich bin, wie ich mir das vorgenommen hatte, als Jungfrau in die Ehe gegangen.
Es war nicht immer ganz einfach, diesen Entschluss durchzuhalten; es gab da schon diverse Versuchungen.
Spätestens als ich 18 geworden bin habe ich selbst auch ab und zu daran zu zweifeln begonnen, ob es denn wirklich sein muss, dass ich erst in meiner Hochzeitsnacht das erste Mal Sex habe.
Meine Freundinnen verloren ringsherum ihre Jungfräulichkeit; die meisten sogar schon lange bevor sie 18 waren.
Nur ich blieb unberührt; eine eiserne Jungfrau sozusagen. Womit mich meine Freundinnen auch oft aufgezogen haben.
Wenn ein Junge zudringlich wurde und mehr wollte als ein bisschen küssen und ein bisschen fummeln habe ich mich immer gleich wieder von ihm getrennt, denn ich wollte mit niemandem zusammen sein, der meinen Entschluss nicht akzeptierte, bis zur Heirat Jungfrau zu bleiben.
Wobei ich von diesen Fummlern, die sich nicht mit ein bisschen Necking oder Petting nach dem Kino oder der Pizza zufrieden gaben, wie man das früher nannte (das hat meine Mutter mir erzählt, die ebenfalls noch Jungfrau war, als sie geheiratet hat) ohnehin niemanden hätte heiraten wollen, von daher war das schon in Ordnung. Die nahmen mich ja ohnehin nicht ernst.
Ich wartete nicht unbedingt auf die Liebe auf den ersten Blick, aber dann doch auf die große Liebe.
Ein ganz anderes Thema war natürlich die Selbstbefriedigung. Da war ich nicht so streng mit mir.
So verrückt war ich nun doch wieder nicht, dass ich vollständig auf Orgasmen hätte verzichten wollen, bis mich irgendwann einer vor den Traualtar schleppt. Das konnte ja schließlich auch dauern, und von daher, das wusste ich schon, wie das geht, es mir selbst zu besorgen.
Und ich habe das weidlich ausgenutzt, mehrmals in der Woche sogar in aller Regel, immer nachts vor dem Schlafen. Allerdings habe ich dabei immer nur mit die Finger benutzt, nicht den Dildo.
Und in meiner Möse habe ich auch nur manchmal herumgewühlt; meistens habe ich mich auf meinen Kitzler beschränkt. Das bringt für uns Frauen sowieso weit mehr erotische Lust als die Möse.
Das sollten sich übrigens die Männer endlich mal merken; dann hätten wir Frauen auch viel mehr Spaß am Sex.
Trotzdem träumte ich schon davon, einen Mann ganz tief in mir zu spüren, so ganz intim und vertraut und aufregend und erotisch. Nur musste es eben auch ein ganz besonderer Mann sein, den ich so an mich heranließ. Ein Mann, mit dem ich auch den Rest meines Lebens verbringen konnte.
Dieser Mann allerdings ließ sich Zeit.
Ich war 22, als ich ihn kennenlernte. Oder vielmehr, als ich den Mann kennenlernte, den ich dafür hielt.
Ob er es nun wirklich ist, das muss ja irgendwie erst die Zeit beweisen, das zeigen die nächsten Jahre.
Es war der Freund des Freundes einer Freundin, und wir haben uns – passenderweise – auf ihrer Hochzeit das erste Mal getroffen, wo wir beide die Trauzeugen der beiden Heiratswilligen waren. Warum auch immer wir uns vorher gegenseitig noch nie wahrgenommen hatten.
Deshalb, also weil wir die Trauzeugen waren, waren wir auch nicht nur zum Polterabend eingeladen, wie die restlichen Freunde, sondern ein paar Tage später dann auch zur richtigen Hochzeitsfeier nach der Trauung, zusammen mit den Verwandten, die man eben zur Hochzeit einlädt.
Martina sah so wahnsinnig glücklich aus, dass ich sie brennend darum beneidete, endlich ihr Glück gefunden zu haben.
Vielleicht war dieser Neid und der Wunsch danach, dieses Glück auch selbst erleben zu können, der mich diesem anderen Trauzeugen gegenüber, Jonas, erheblich aufgeschlossener sein ließ.
Der Alkohol tat natürlich das Seine dazu; und dann waren wir ja beinahe die einzigen aus der jüngeren Kreis, also von den Freunden des Brautpaares, die auf der eigentlichen Hochzeitsfeier durch zum Teil uralte Verwandte verdrängt worden waren, die man irgendwo aufgetrieben hatte.
Deshalb steckten wir die ganze Zeit zusammen.
Wir beide, Jonas und ich, hatten den feierlichen Moment miteinander geteilt, als wir das Jawort der beiden sozusagen bekräftigt hatten, und wir saßen nachher an der Hochzeitstafel auch zusammen.
Jonas flirtete kräftig mit mir, und als wir später miteinander tanzten – grässlich langsame, alte Musik war es, die auf der Hochzeit lief – kamen wir uns physisch noch ein wenig näher. Sehr viel näher …
Anschließend fragte mich Jonas, ob ich nicht Lust auf einen Nachtspaziergang hätte, es sei so heiß im Zimmer.
Weil es mir ebenfalls sehr heiß war und weil ich die anderen Gäste dort durchweg grässlich fand, stimmte ich zu. Wir wanderten durch den wunderschönen garten im Elternhaus von Martina.
In einer dunklen Ecke wurde Jonas, womit ich vorher schon beinahe gerechnet hatte, zudringlich und wollte mir zuerst an die Brüste gehen, unter dem schicken Kleid, dann an die Muschi.
Ersteres ließ ich zu, letzteres nicht. Und zwar deshalb nicht, weil er mir gut genug gefiel, mich um meinen Entschluss bangen zu lassen, keinen Sex vor der Hochzeit zu haben. Ich drohte schwach zu werden.
Reichlich atemlos und aufgelöst erklärte ich ihm diese Sache damit, dass ich als Jungfrau in die Ehe gehen wollte.
Anders als alle anderen Jungs vorher lachte er nicht, verspottete mich auch nicht – sondern erklärte, dass er das toll fand.
Und er ließ sofort von mir ab; was ich ja nun etwas schade fand.
Am nächsten Tag rief er mich an, so wie er es mir auch versprochen hatte und wir begannen, sozusagen miteinander zu gehen. Mindestens ein Date in der Woche gab es, viele Monate lang.
Es fiel mir dabei oft genug schwer, Jonas nicht selbst zum Sex aufzufordern, denn ich war gewaltig verliebt in ihn.
Aber er war brav und absolut zurückhaltend. Was mich einerseits freute und andererseits ärgerte.
Endlich, nach etwa sieben Monaten, machte er mir den heimlich von mir erwarteten Heiratsantrag, und noch einmal fünf Monate später heirateten wir. Mit Martina und ihrem Mann als Trauzeugen.
Nur war unsere Hochzeitsfeier ganz anders; wir hatten uns nicht um die Traditionen geschert, sondern stattdessen alle unsere Freunde eingeladen, und so wurde es eine richtig ausgelassene Feier.
Dem Alkohol wurde reichlich zugesprochen, und das war wohl der Hauptgrund, warum meine Hochzeitsnacht so aussah: Jonas und ich, wir zogen uns nebeneinander aus, in dem Hotelzimmer, das wir extra für die Hochzeitsnacht gemietet hatten, fielen ins Bett, die Arme umeinander gelegt.
Ja, und dann lallte er noch etwas – und war eingeschlafen.
Erst um elf Uhr am nächsten Morgen wurde er wieder wach und tat so, als ob alles in Ordnung wäre.
Ich war ein bisschen verheult, was er nicht bemerkte.
Okay, wir haben meine Entjungferung noch an diesem Tag nachgeholt, haben nicht bis zur nächsten Nacht gewartet.
Trotzdem war die Hochzeitsnacht nichts als enttäuschend. Und gerade die hätte doch so schön werden sollen!

am 1. November 2008 um 20:37 Uhr.
die sind doch nicht ganz dicht
am 1. November 2008 um 20:39 Uhr.
meinte das sado pack
am 30. November 2008 um 5:40 Uhr.
Da kann ich nur zustimmen!!!;-)
am 26. Mai 2009 um 13:05 Uhr.
hauptsache es war dann doch noch schön
am 14. August 2009 um 23:22 Uhr.
Ich denke der Begriff ist ein bischen veraltet und man sollte
die Hochzeitsnacht lieber auf viele andere Nächte verteilen